Content

Löwenmama wird 50

08.02.2013: Susanne Saage feiert heute ihren Geburtstag - seit zehn Jahren engagiert sie sich für kranke Kinder
Quelle: www.nw-news.de / VON JOSEF KÖHNE

Foto Susanne SaageSommersell. Ihren 40. Geburtstag verbrachte Susanne Saage im Klinikum Hannover. Sie hielt ihren dreijährigen Sohn Moritz im Arm und wünschte sich nichts mehr, als dass er den Kampf gegen die Leukämie gewinnen würde. Heute feiert die als Löwenmama bekanntgewordene Mutter von drei Jungs ihren 50. Geburtstag und ist glücklich, weil die am vergangenen Dienstag bei Moritz durchgeführte Kontrolluntersuchung ein gutes Ergebnis zeigte.

Am 27. November 2001 hatten die Ärzte bei dem jüngsten Sohn der Familie Saage Leukämie diagnostiziert und die notwendigen Therapien durchgeführt. Doch der Krebs kam zweimal zurück und dem Kind war ohne eine Knochenmarktransplantation nicht mehr zu helfen. Seine Eltern, seine Ärzte und die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) wandten sich mit Aufrufen an die Bevölkerung und baten darum, sich typisieren zu lassen.
Das Gesicht des kleinen todkranken Moritz wurde überall bekannt und zum Synonym der DKMS. Mehrere Tausend Menschen ließen sich Blut abnehmen und waren bereit, ihm ihr Knochenmark zu spenden. Schließlich wurde ein geeigneter Spender gefunden und Moritz bekam am 20. Januar 2004 in der Medizinischen Hochschule Hannover die Stammzellen eines ihm fremden Menschen implantiert. Der Heilungsprozess setzte ein und heute ist Moritz ein fröhlicher Jugendlicher, der sich täglich seines Lebens erfreut.
Schicksal mit Folgen

Die Krankheit war für den kleinen Moritz ein tragisches Ereignis, das für die Familie nicht ohne Folgen blieb. Susanne und Ansgar Saage kümmerten sich während der langen Krankenhausaufenthalte in Göttingen und Hannover um Moritz und wechselten sich an seinem Krankenbett ab. Während der Woche war die Mutter bei Moritz, am arbeitsfreien Wochenende der Vater.

Zuhause aber waren die beiden Brüder, von denen der ältere erst zwölf Jahre alt war. "Wir haben damals versucht, allen Kindern gerecht zu werden", sagt Susanne Saage rückblickend und erinnert sich, dass der zweite Sohn Felix die Tage ohne die Mutter mit einem fünfteiligen Puzzle zählte. "Ein Puzzleteil war ein Tag." Moritz zählte derweil die Tage ohne seine Mama mit drei Blumen, die er in eine Gießkanne stellte.

Als einschneidendes Erlebnis schildert Susanne Saage ein Weihnachtsfest im Klinikum Göttingen. Die Krankenschwester hatte Moritz am Heiligen Abend ein Spielzeug gebracht und dann den zwölfjährigen Dennis angeschaut, der still daneben gesessen hatte. "Dann will ich mal schauen, ob ich für den Großen auch noch etwas finde", hatte sie gesagt und war nach einer Weile mit einem kleinen Geschenk für den Jungen wiedergekommen. "In diesem Augenblick habe ich gespürt, wie sehr die Geschwister eines kranken Kindes leiden", sagt Susanne Saage und für sie stand fest: "Ganz egal, wie das einmal ausgeht: Ich werde mich für die schwer kranken Kinder in den Krankenhäusern und für ihre Geschwister einsetzen."

Diesem Vorsatz ist Susanne Saage bis zum heutigen Tag treu geblieben. Jahr für Jahr sammelt die als "Löwenmama" bekanntgewordene Mutter in den Geschäften der Region Spielzeug und bringt es am Heiligen Abend auf die Kinderstationen der Krankenhäuser in Göttingen, Hannover, Detmold und Höxter. Weil sie es alleine kaum noch schafft, ist auch ihr Mann an diesem Tag als "Weihnachtsengel ohne Flügel" unterwegs.

Damit die kranken Kinder nach Möglichkeit das Spielzeug bekommen, was sie sich wünschen, startet Saage bereits einige Wochen vor Weihnachten in den Kinderstationen eine Umfrage. Mit dem Wunschzettel in der Hand bereitet sie anschließend in mehreren Geschäften "Geschenktische" vor, von denen die Kunden ihrem Geldbeutel oder ihrem sozialen Engagement entsprechend Spielzeug und Bücher kaufen und für Susanne Saages Aktion Löwenmama zurücklegen lassen können. Nach allem, was sie in den vergangenen zehn Jahren erlebt hat, hat Susanne Saage an ihrem 50. Geburtstag nur drei Wünsche: "Ich möchte, dass meine Kinder gesund bleiben, und dass mich die Menschen bei der Aktion Löwenmama auch weiterhin so großzügig unterstützen wie bisher. Und ich wünsche mir immer gute Gedanken."